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Die Kinder, die gerade die Zimmer in der Kinderklinik im zweiten Stock des St. Joseph Krankenhauses in Tempelhof bewohnen, haben gar nicht mitbekommen, dass sie gestern Besuch von einem Weltstar der Opernbühne hatten.
Rolando Villazón machte gemeinsam mit drei anderen Clowns vom Verein Rote Nasen Deutschland eine Clownsvisite und hatte sich dafür zünftig kostümiert: Seine schwarze Smokinghose war in Ringelsocken gestopft, über dem Ringel-Shirt trug er einen weißen Kittel. Und obwohl es kaum einen Vornamen gibt, der sich besser für einen Clown eignen würde, stand auf dem Sticker an seinem Kittel „Dr. Rollo“ und nicht Rolando.
Villazón will als Botschafter der Roten Nasen helfen, Aufmerksamkeit und Spenden für ihre Arbeit zu organisieren. Die Roten Nasen sprachen ihn schon vor zehn Jahren in Wien an. Seine ersten Erfahrungen als Clown sind aber noch älter: „Als ich 18 war habe ich für ein Jahr auf Kinderpartys als Clown gearbeitet.“
Villazón fühlt sich eigentlich immer – und nicht nur, wenn seine Söhne in der Nähe sind – als Clown: „Ich glaube, jeder Mensch hat einen Clown in sich. Man muss nur lernen, ihn raus zu lassen.“ Die Arbeit der Roten Nasen findet er, nachdem er ihnen immer mal zuschauen durfte, inzwischen sehr wichtig: „Sie bringen Glück und Farbe ins Krankenzimmer. Und wenn sie nach einer Viertelstunde gehen, dann bleibt die Poesie zurück.“
Bei seinen Besuchen in den Zimmern der achtjährigen Jessica und des elfjährigen Vincent konnte man deutlich sehen, dass Villazón ein großes Slapsticktalent ist. Er kann gegen Türen laufen, ohne sich zu wehzutun.
Er jongliert richtig gut mit drei Bällen und kann auf Kommando im Stehen einschlafen. Die kleine Jessica quiekte vor Lachen, als sich der Sänger immer wieder vor einem kleinen, rosa Schwein erschreckte, das immer dann, wenn Jessica seinen Bauch drückte, pupste.
Villazóns Versuche, dem Schwein eine rote Schaumstoffnase auf den Rüssel zu setzen, benutzte Jessica zum Aufbau eines Vorrats. Als er ihr Zimmer verließ, besaß sie sechs rote Nasen.
Begrüßt hatten den Opernstar Villazón vor dem Krankenhaus Pflegedirektorin Chiara Lipinski und Dr. Beatrix Schmidt, Chefärztin der Kinderklinik – beide mit roten Schaumstoffnasen.
Die Chefärztin freut sich über die Clowns: „Die Roten Nasen unterstützen uns seit zwei Jahren.“ Manche Patienten, so die Chefärztin, versuchen sogar, ihre Entlassung hinauszuzögern: „Wir haben immer wieder Kinder, die extra bleiben wollen, weil ja die Clowns noch kommen.“
(Andreas Kurtz, Berliner Zeitung, 1.4.2011)
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