Der Clown - Oder: das große Versagen

Interview mit Hélène Gustin 

Workshop an der International School of Humour - 27 bis 29 Jänner 2017

Vor kurzem war die Französin und internationale Clownexpertin Hélène Gustin bei uns. Sie hat ihr Leben der Clownerie gewidmet, war beim großen Alain Gautré in der Schule, und beschäftigt sich seit 1995 mit dem Clown und dem dramatischen Schreiben. Ihr Charakter "Colette Gomette" ist eine starke visuelle Clownin, die für ihre Energie und ihre "Animalität" bekannt ist. Die gleiche energetische Natur machte unser Interview so interessant!

Wir erfahren viel über die Bedeutung der Körpersprache, was einen guten Clown ausmacht und die Wichtigkeit des Spiels:

RNI: Bonjour, Hélène! Viele Rote Nasen Clowns haben sich als Teilnehmer für deinen Workshop angemeldet, sie sind sehr wissbegierig und neugierig. Kannst du uns ein mehr über deinen Workshop erzählen?

H: Bonjour! Ja, das freut mich sehr. Auch, weil jeder hier schon ein erfahrener Krankenhausclown ist. Ich möchte noch mehr von ihrem Potenzial entfalten, das in ihnen steckt. Ich freue mich schon darauf.

Ich werde ihnen zusätzliche Techniken beibringen, wie man ein Spiel entwickelt. Auch wenn Sie laufend improvisieren im Krankenhaus, benötigen sie Tools für alle möglichen Situationen. Jeder Clown muss wissen, wie man aus einer einfachen Idee ein Spiel kreiert, um besser mit ihren jungen Patienten in Verbindung zu treten.

Das heisst auch, dass ich auch viel Zeit darauf verwenden werde, das Bewusstsein auf ihre Körpersprache zu lenken. Auch wenn die rote Nasen eigentlich eine Maske ist, eigentlich ist es die kleinste Maske der Welt, können wir nichts von unseren Interaktionen vor dem Patienten verbergen. Der Körper ist daher ein wesentlicher Bestandteil unseres Berufes. Er kommuniziert so viel. Man kann jede Emotion, jede Geste, jede Handlung sehen.

RNI: Was ist das Wichtigste, was die Clowns aus dem Workshop mitnehmen werden?

H:
Das Scheitern! Denn Fehler machen ist ein guter Weg um ein Spiel zu kreieren. Niemand von uns tut sich leicht, mit Misserfolg umzugehen. Die Clownfigur muss lernen, das Versagen zu umarmen und sich über das Problem zu stellen. Wenn der Clown lernt, wie man scheitert und wieder scheitert und wieder scheitert, das gibt dem Kind eine gewisse Kraft.

RNI: Du meinst damit nicht die tatsächliche Kraft, wie körperliche Kraft? Ich vermute, du meinst eine emotionale und intellektuelle Kraft?

H: Mais oui, bien sur! Es geht darum, den Kindern ein Mindestmaß an Kontrolle zu geben. Manchmal fühlt sich das Kind in dieser Krankenhausumgebung hilflos, ohne jede Möglichkeit, seine Emotionen auszudrücken. Wenn wir ins Krankenzimmer kommen, bestimmen nicht wir, in welche Richtung die Begegnung sich entwickeln wird. Stattdessen geben wir den Kindern die Kontrolle zurück. Sie sind diejenigen, die unsere Interaktionen leiten und erhellen. Sie werden in diesen Situationen lebendig.
Meine goldene Regel als Clown ist - das Kind hat immer Recht.

RNI: Das ist dein zweiter Workshop hier bei der ISH, wo hast du vorher gelehrt?

H: Vielen Dank, ich freue sehr hier wieder unterrichten zu dürfen. Offensichtlich haben mir die Clowns gute Kritiken gegeben! Ich gebe seit 25 Jahren Workshops - unnötig zu sagen, daß das eine lange Zeit ist.

Mein Hintergrund kommt aus der Dramaturgie. Durch viele Jahre als Künstler habe ich die Dramaturgie bei Alain Gautré gelernt, viele Drehbücher geschrieben und in vielen dramatischen Produktionen mitgearbeitet. Diese kreative Arbeit hilft mir immer im Krankenhaus. Es ermöglicht mir, meinen Charakter zu erforschen, aber auch neue Methoden zu entwickeln, um in eine bessere Verbindung mit jungen Patienten zu kommen. Heute bin ich auch Coach und Trainer bei Le Rire Medecin.

RNI: Was für ein beeindruckender Lebenslauf! Mit deiner großen Erfahrung, was macht aus deiner Sicht ein guter Clown aus. Was ist deine Definition?

H:
Ein echter Clown weiß, wie man mit dem Publikum in Verbindung tritt und bei ihnen Gefühle auslöst. Egal ob durch Lachen, durch Schreck oder einfach durch eine liebevolle Verbindung, ein Clown muss in der Lage sein, die Vielfalt der Emotionen meisterhaft zu navigieren. Er ist wie ein erfahrener Musiker, der ein Instrument spielt. Durch eine Kombination aus Bewusstsein der Zeit, Training und ein natürliches Potenzial, kann man wirklich sehen, wann es ein Clown richtig gut hinbekommt.

RNI: Letzte Frage: Haben Sie einen Tipp oder Ratschlag, den du mit unseren Lesern teilen würdest?

H:
Wenn man erwachsen ist, wird das Leben ernster und voller ernster Entscheidungen. Es ist nicht leicht, für einen Atemzug  still zu stehen und die Gegenwart zu wahrzunehmen. Erwachsene lernen, ohne zu spielen: Sie genießen nicht mehr das Leben, wie sie es einmal getan haben. Aus meinen Erfahrungen verlieren die meisten Erwachsenen das Gefühl der Freude, wie man es als Kind hatte.

Mein Rat ist daher einfach: Spiele! Versuche in allen Bereichen deines Lebens zu spielen; Mit deinem Partner, mit deinen Kindern, auch mit zufälligen Fremden. Immer weiter zu spielen. Um nicht das Gefühl der Freude zu verlieren. Es ist so wichtig für das Leben!

RNI: Danke, Hélène, dass du wieder bei uns in Wien bist. Wir sind uns sicher, dass nach diesem Wochenende unsere Clowns noch besser gerüstet sind, um Freude an diejenigen zu bringen, die es am meisten brauchen. Auf Wiedersehen!

All photo credit: Richard Fiala

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