Die Dramaturgie des Sketches

Ein interview mit Giora Seeliger

 

Workshop an der International School of Humour, Wien - 23. bis 26. Februar 2017

RED NOSES International (RNI) lädt regelmäßig renommierte Experten an die International School of Humor (ISH) in Wien ein, damit ROTE NASENClowns ihre Kompetenzen laufend erweitern können, um beste Arbeit am Krankenbett liefern zu können.

Jetzt, Ende Februar hatten wir die Ehre, Giora Seeliger, unseren Gründer und künstlerischer Leiter, als Experten für unsere internationalen Clowns, begrüßen zu dürfen. In unserem Gespräche ging es um deinen aktuellen Workshop „Dramaturgie eines Sketches“ aber auch über Bäume, Hoffnungen der 70er Jahre und seine eigene Theatererfahrung.

RNI: Endlich finden wir eine ruhige Minute für ein Interview, vielen Dank! Erzähl uns bitte über deinen Workshop und was die Clowns dabei gelernt haben.

G: Das Schöne an meinem Workshop ist, dass jeder Clown etwas mitnehmen kann und auch sofort anwenden kann. Mein Fokus liegt auf der Dramaturgie eines jeden Sketches. Das heißt, unsere Künstler lernen eine Reihe neuer Strukturen, damit sie schnell und rein körpersprachlich eine witzige Handlung kreieren und aufführen können.

Ich will damit nicht die Vorstellungskraft und Improvisationskunst der Clowns einschränken. Sie lernen viel über den natürlichen Verlauf einer Handlung, eines Sketches.
Und das funktioniert so:  stell dir einen mächtigen Baumstamm vor. Dann gibt es die Zweige, die in alle Richtungen wachsen, aber alle sind mit dem Stamm verbunden. Die Bäume und ihre Zweige entwickeln sich aus dem Stamm heraus, genauso soll sich die improvisierte Handlung aus einer ursprünglichen Geschichte entwickeln.

Dieses Bild will ich den Clowns vermitteln. Die Arbeit eines Clowndoctors beruht auf Improvisation, und auch vielen anderen Tools. Ich weiß, alle unsere Künstler haben das Potenzial ihr Bestes zu geben. Sie haben jetzt diese Basisstrukturen gelernt, und können innerhalb dieser Struktur eine Geschichte mit den Charaktereigenschaften des Partners generieren.

RNI: Das ist sehr faszinierend! War das den Künstlern vor dem Workshop bewusst?


G: Einigen ja, anderen nein.
Aber das erinnert mich an mich selbst, als ich mit der Schauspielerein begann. Es war mit einer Gruppe namens "Theater de l'espoire" [Theater der Hoffnung]. Frag nicht nach dem Namen, es war damals ein sehr moderner Name.

Als ich ein junger Schauspieler war, versuchte ich, verschiedenste Rollen zu spielen, um zu zeigen, dass ich ein erfahrener Schauspieler war. Mir gefielen die Rollen, die ich zugewiesen bekam, nicht besonders. Ich fühlte, dass diese Rolle mich in meiner Kreativität einschränkt.

Ich erkannte bald, dass, um mich das Publikum zu erreichen, jeder Charakter und jedes Element zum Leben erweckt  werden muss. Jeder Part auf der Bühne muss eine bestimmte Funktion ausführen. Das ist nicht nur für das Publikum wichtig, sondern auch für diejenigen,  mit denen man spielt.

RNI: Und wie bezieht sich das jetzt auf die Arbeit im Krankenhaus? Improvisieren Clowns nicht den ganzen Tag?

G: Die Improvisation spielt eine Schlüsselrolle in dem, was Rote Nasen tun. Aber zu sagen, dass wir nur improvisieren, ist zu einfach. Ein Clown hat immer ein gutes Repertoire, gute Tricks und Tools, damit sie oder er mit jeder Situation gut umgehen kann.

Mein Workshop hilft meinen Clowns, besser vorbereitet zu sein. Es gibt bestimmte Verhaltenskodizes, die helfen, um die beste Show auf der Erde zu bieten.

RNI: Was motiviert dich, weiter zu unterrichten?

G: Ich liebe es zu unterrichten.  Ich habe viele Workshops gegeben und ich werde weiterhin viele Workshops geben. Für mich ist es wichtig, mit allen unseren Clowns in Verbindung zu bleiben.

Zu Beginn war ich oft der einzige Lehrer für die gesamte RED NOSES Gruppe, die damals noch wesentlich kleiner war. So war es damals einfacher, ich konnte auch wirklich mit jedem Clown in Verbindung bleiben und sehen, wie sie oder er sich als Künstler entwickelte. Heute ist der einzige Weg, mit dem ich wirklich jeden unserer 346 Clowns kennen lernen kann, Workshops zu geben. Ich möchte diese Entwicklung nie verpassen!

RNI: Was war einer Ihrer Lieblings-Workshops?

G: Du fragst, wie alt ich bin, nicht wahr? ;)
Ich werde diese Frage anders beantworten:  für mich sind es jene Momente, in denen ich den Fortschritt in meinen ehemaligen Schülern sehe, die mich am meisten begeistern.



RNI: Ist das der Grund warum RNI seine Clowns laufend ausbildet?

G: Natürlich! Alle ROTE NASEN sind gute Clowns. Dennoch müssen wir alle bessere Clowns werden. Ohne Training und ohne neue Inputs stagnieren unsere Künstler und entwickeln sich nicht weiter. Das ist nicht fair für unser junges Publikum im Krankenhaus. Wir müssen uns mit ihnen verbinden um emotional berühren zu können.

Was ROTE NASEN Clowns einzigartig macht, ist ihre Fähigkeit, sich als Künstler anzupassen. Wie von einem Regisseur in einem Theater, erhalten sie neue Inputs durch diese Workshops und können sie sofort in ihrer professionellen Arbeit anwenden. Nur richtige Künstler können das.

RNI: So, genug der lobenden Worte. Was ist dein Ratschlag für unsere Leser?

G: Genieße jeden Moment. Ich kenne es von meinen Kindern. Man hat diese fixe Idee, dass man zu jung ist, zu viel zu tun hat, zu wenig Zeit hat... Aber wir müssen uns immer daran erinnern:  alles ist nur vorübergehend. Wir stecken nie für den Rest unseres Lebens in einem Problem. Genießt die wertvollen Momente. Genießt, was ihr könnt!


Photo credits: Alla Abramova

Online-Spenden

Schenken Sie ein Lachen!

Folgen Sie uns:

 
 
ROTE NASEN Clowndoctors International

RED NOSES International > News > 

ISH International School of Humor

Bitte unterstützen Sie uns!

Spendenkonto

IBAN: AT89 20111 82224245903
BIC: GIBAATWWXXX

+43 1 318 03 13 - 66 | smile@rednoses.eu

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar