Mit Schmetterlingen im Bauch machte ich mich am 8. Oktober 2010 auf die Reise nach Nieu Bethesda, in eine Fahrt mitten in die Karoo Wüste (Eastern Cape).
Was für eine Idee!
Einen Clownworkshop für Menschen zu geben, die in Townships leben. Also in zugigen Hütten ohne Warmwasser, umgeben von Armut, Alkoholismus und Missbrauch. Noch immer diskriminiert von den weißen Südafrikanern, denen das Land offiziell gehört. Macht das Sinn?
Mit diesen Fragen im Kopf, Freude im Herzen (endlich nach Afrika!) und Neugier auf die Menschen dort, kam ich an.
Dieser wunderbare Ort ist geprägt von der Kreativität der Künstler und der Gründerin Jeni Couzyn, selbst Dichterin. IN dem Center arbeiten 14 KünstlerInnen, die selbst mit Armut, Alkoholismus und Missbrauch zu kämpfen haben. Sie können dort ihre Talente entwickeln und selbstverantwortlich arbeiten.
Es werden wunderschöne Quilts hergestellt, die regelmäßig in Cape Town, Johannesburg und weiteren Städten ausgestellt werden. Zu dem Art Center gehören auch Gästezimmer für Touristen und ein Restaurant. Ziel ist es, die KünstlerInnen zu befähigen, das Center in Zukunft selbst zu leiten.
Im Art Center wird das Ritual gepflegt, sich jeden Morgen zu einer Runde einzufinden. Hier können die KünstlerInnen sich austauschen über besondere Erlebnisse, Misserfolge, Rückfälle (Alkohol), Erfolge und neue Ideen.
Dieses Ritual war für die Arbeit am Clown eine wunderbare Grundlage. Es herrschte eine große Offenheit und Aufrichtigkeit. Die Thematik des Scheiterns, sich lächerlich Machens und immer wieder einen Neubeginn zu wagen, wieder aufzustehen, haben gerade in diesem Umfeld eine tägliche Brisanz.
In dem Workshop haben wir viel gelacht. Die TeilnehmerInnen des Workshops waren voller Enthusiasmus bei der Arbeit. Dank ihrer Musikalität, Ausdruckskraft und Kreativität konnte während der kurzen Zeit viel entstehen. Bereits nach fünf Tagen waren die KünstlerInnen so weit, erlernte Jongliertricks an Schulkinder weiterzugeben.
Wir erarbeiteten auch kurze Clownnummern. Am letzten Tag präsentierten die 14 KünstlerInnen ihre Arbeiten im Amphitheater des Art Centers. Das ganze (farbige) Dorf kam zu der Vorstellung. Es war eine Atmosphäre voller Schönheit, Herzlichkeit und natürlich Lachen. Sogar die Dorfpolizisten beteiligten sich und teilten den Tee aus. So etwas hatte es dort, laut Jeni Couzyn, noch nie gegeben.
Natürlich hat auch Filou eine Vorstellung gegeben. Es kamen ca. 200 Schulkinder und ihre Lehrer. Gespannt saßen sie auf ihren Stühlen. Da kam Filou und stolperte zur Bühne, erste Fragezeichen entstanden auf den Gesichtern der Kinder. Ein Weißer, der sich so blöd anstellt? Filou schafft es gerade so hoch auf die Bühne, dann "peff" sitzt er - neben dem Stuhl. Die Kinder werden unruhig. Was für ein eigenartiger weißer Erwachsener ... Dann der erste Blickkontakt.
Die Kinder erkennen, es ist ein Spiel! Sie lachen befreit und von da an ist das Lachen nicht mehr aufzuhalten. Nach der Vorstellung gaben die Workshop-TeilnehmerInnen ihre Jongliertricks an die Kinder weiter. Es war ein weiterer wundervoller Tag.
Auf der Rückreise durfte ich noch den Löwen im Safaripark meine Aufwartung machen. Eine beeindruckende Erfahrung, die Tiere so aus der Nähe in ihrer Heimat zu erleben. Die ganze Reise, die Arbeit mit den Menschen in Nieu Bethesda, die Begegnungen und Erlebnisse haben mein Leben sehr bereichert. Ich danke den großzügigen UnterstützerInnen, die so unbürokratisch bereit waren, dieses Projekt zu ermöglichen.
Herzlichen Dank an ROTE NASEN Clowndoctors International, Bethesta Foundation, Eckart von Hirschhausen, ROTE NASEN Deutschland, Henrys Online, der Kleine Zirkusladen.
Wir wünschen uns, die begonnene Arbeit miteinander fortzusetzen und mit den KünstlerInnen eine kleine Tournee durch Townships in Südafrika auf die Beine zu stellen.
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